FILharmonie gewinnt vielbeachteten europäischen „EVVC Award“

„Das hat noch kein anderer geschafft...“

Großer Jubel in der FILharmonie: Das Filderstädter Kultur- und Kongresszentrum hat dieser Tage einen außergewöhnlichen Preis erhalten: den „EVVC-Award“. Silke Köhler von der Filderstädter Amtsblatt-Redaktion sprach mit Thomas Löffler (Geschäftsführer des Hauses) und Sven Pflug (Veranstaltungsleiter) über die Hintergründe der Auszeichnung sowie eine „echte Partnerschaft auf Augenhöhe“.

Amtsblatt: Herr Löffler, Ihr Haus ist mit dem europäischen „EVVC Award“ ausgezeichnet worden. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

LÖFFLER: Im EVVC sind alle Kongress-, Sport- und Mehrzweckhallen vereinigt. Dazu gehören die großen Arenen ebenso wie die kleineren Stadthallen. Insofern erfährt der EVVC-Award die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der gesamten Branche. Der EVVC-Award ist der wohl bedeutendste und meistbeachtete Preis in der Veranstaltungsbranche. Einen dieser Preise zu gewinnen, ist schon bedeutsam. Deshalb sind wir sehr stolz auf diese Auszeichnung.

Amtsblatt: Was ist der EVVC?

LÖFFLER: Das ist der Europäische Dachverband der Veranstaltungs-Zentren. Ihm gehören über 400 Häuser der Veranstaltungsbranche in Europa an. Da sind zum Beispiel aus unserer Region alle bedeutenden Hallen drin von der Porsche Arena, dem ICS an der Messe, der Stuttgarter Liederhalle bis hin zur Filderhalle in Leinfelden-Echterdingen oder unserer FILharmonie.

Amtsblatt: Die FILharmonie hat die Kategorie „Corporate Social Responsibility/ Gesellschaft und Soziales“ für sich entschieden. Damit wurde die Kooperation des Kultur- und Kongresszentrums mit den örtlichen Karl-Schubert-Werkstätten gewürdigt. Wie ist die Idee für eine Zusammenarbeit entstanden?

LÖFFLER: Seit Jahren beschäftigen wir uns mit dem Thema Nachhaltigkeit. Das steht eigentlich seit dem Kyoto-Protokoll - konkret aber seit etwa zwei Jahren - auf der Tagesordnung. „Green Congress“, „Green Meeting“ sind hier die Stichworte. Wir verstehen Nachhaltigkeit in ihrem umfassenden Sinn -  mit den drei Säulen der Nachhaltigkeit: Ökonomie, Ökologie und eben auch der sozialen Verantwortung. Dass wir uns um bessere ökonomische Ergebnisse bemühen, versteht sich von selbst. Die ökologische Verantwortung versuchen wir ebenso bewusst wahrzunehmen in vielerlei Hinsicht. Aber die soziale Verantwortung, die FILharmonie  als Teil des gesellschaftlichen Lebens zu begreifen und dort zu platzieren, ist neu und eine echte Herausforderung für uns gewesen. Im Rahmen dieser Diskussion ist  der Gedanke der Kooperation mit den Schubert-Werkstätten entstanden, weil diese in vielfacher Hinsicht eine wahre – wie die Jury ja dann auch würdigte – „Partnerschaft auf Augenhöhe“ ermöglicht.

Amtsblatt: Seit wann besteht die Partnerschaft?

PFLUG: Wir haben im Jahre 2008 mit der Suche begonnen und uns dann nach eingehender Prüfung für die Partnerschaft mit den Karl-Schubert-Werkstätten entschieden. Unsere Gründe: Diese Einrichtungen erfüllen alle unsere Anforderungskriterien. Nach der „Kennenlern-Phase“ im Jahre 2009 wurde dann der Kooperations-Vertrag im Dezember abgefasst, der Januar 2010 in Kraft getreten ist.

Amtsblatt: Wie sieht die Zusammenarbeit konkret aus?

PFLUG: Wir haben zunächst mehrere Ebenen der Kooperation: Produkte der beschützenden Werkstätten werden in unserem Hause ausgestellt und an Business-Kunden oder Kultur-Besucher verkauft, oft als Geschenk oder Mitbringsel. Dieser Verkauf ist sehr gut angenommen worden, besonders an Weihnachten.

Dann gibt es den kulturellen Bereich: Ausstellungen zum Beispiel von Zeichnungen wie im Herbst oder Theateraufführungen mit sogenannten behinderten Menschen werden in unserem Saal einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht – für uns ein ganz wichtiger Aspekt.

Wir haben außerdem Meetings und Teamsitzungen der Werkstätten in unserem Hause und vielleicht auch mal eine Weihnachtsfeier; mittelfristig wollen wir gemeinsam eine Werkstätten-Messe in der FILharmonie realisieren.

Amtsblatt: Aktuelle Projekte?

PFLUG: Anfang Juli wird an zwei Abenden das berühme Stück „Der kleine Prinz“ der Theatergruppe der Karl-Schubert-Werkstätten auf der Bühne des Kleinen Saals aufgeführt. Vorher haben wir natürlich auch Proben bei uns. Das Stück wird technisch von unserer Auszubildenden im Bereich Veranstaltungstechnik begleitet und wurde als Projektarbeit für die Ausbildung ausgewählt. Gleichzeitig wird es wieder eine Kunstausstellung geben, die momentan in Zusammenarbeit mit der Kunstschule Filderstadt entwickelt wird.

Amtsblatt: Was sind Ihre Beweggründe  für die neue Kooperation mit den Karl-Schubert-Werkstätten?

PFLUG: In der Hallenlandschaft werden die Bereiche „Soziales Engagement“ und „Nachhaltigkeit“ immer wichtiger. Wir wollten ein Zeichen setzen und unsere Verbundenheit mit den Menschen dieser Stadt - insbesondere mit benachteiligten Menschen - dokumentieren. Wir haben einen kompetenten sozialen Partner gesucht, der sowohl in inhaltlicher wie auch in menschlicher Hinsicht sehr gut zu uns passt, also eine wichtige Ergänzung bietet, die über den Tellerrand des Alltags und der Aufgaben eines Kultur- und Kongresszentrums hinausgeht.

Amtsblatt: Die Jury hat bei ihrer Entscheidung insbesondere den „Innovationsgrad und die Originalität der Idee, den wirtschaftlichen Nutzen, den Imageeffekt, die Öffentlichkeitswirkung sowie die gesellschaftliche Relevanz“ bewertet. In welchen Bereichen hat Ihr Haus besonders gepunktet?

LÖFFLER: Wir sind der zweite Preisträger dieses neu geschaffenen Awards. Wir sind aber die ersten, die soziale Verantwortung nicht nur als einmalige Aktion, als Geste begreifen. Das ist das, was die Jury als „Partnerschaft auf Augenhöhe“ meinte: eine dauerhafte echte Partnerschaft von der beide Seiten profitieren.

Amtsblatt: Im Jahr 2008 wurde die FILharmonie vom „EVVC“ bereits unter die „Top Drei“ der europäischen Kongresszentren seiner Größenordnung gewählt. Gibt es in der Region Stuttgart weitere Hallen mit dieser außergewöhnlichen Erfolgsbilanz?

LÖFFLER: In diesem Jahr hat neben der FILharmonie auch der Stadtgarten Schwäbisch Gmünd einen Award gewonnen für die Vorlage eines erfolgreichen Konzepts zur Umstellung unserer Hallen von herkömmlichen Leuchtmitteln auf LED-Lampen. Diese führt zu Einsparpotentialen im Energieverbrauch von bis zu 85 Prozent.  Übrigens eine Initiative, die wir in der FILharmonie in vollem Umfang übernehmen werden. Das zeigt, dass gerade die Region Stuttgart außergewöhnlich innovativ ist. Aber ein bisschen sind wir schon stolz, dass wir nun schon zum zweiten Mal einen der begehrtesten Preise der Veranstaltungsindustrie nach Filderstadt holen konnten. Das hat in der Tat noch kein anderer geschafft.

Amtsblatt: Vielen Dank für das Gespräch.

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